Besinnung zur Freiheit

Seligpreisungen

Und es folgten [Jesus] viele Leute … . Als er nun die vielen Menschen sah, stieg er auf den Berg …. und lehrte sie:
Selig die Armen im Geist – ihnen gehört das Himmelreich.
Selig die Trauernden – sie werden getröstet werden.
Selig die Barmherzigen – sie werden Barmherzigkeit erlangen.
Selig, die reinen Herzens sind – sie werden Gott schauen.
Selig, die Frieden stiften – sie werden Söhne und Töchter Gottes genannt werden (Matthäus 4,24-5,4.7-9).

Predigt

Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, so werdet ihr Söhne und Töchter eures Vaters im Himmel. …
Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen werdet, noch um euren Leib, was ihr anziehen werdet. … Euer himmlischer Vater weiss nämlich, dass ihr das alles braucht. Trachtet vielmehr zuerst nach seinem Reich und seiner Gerechtigkeit, dann wird euch das alles dazugegeben werden. …
Wie immer ihr wollt, dass die Leute mit euch umgehen, so geht auch mit ihnen um! Denn darin besteht das Gesetz und die Propheten (Matthäus 5,44f.; 6,25.32f.; 7,12).
Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist! Richtet nicht, und ihr werdet nicht gerichtet. … Lasst frei, und ihr werdet freigelassen werden! …
Jeder, der … meine Worte hört und danach handelt … ist einem Menschen gleich, der, als er ein Haus baute, … das Fundament auf Fels legte. Als dann Hochwasser kam, riss die Flut an jenem Haus, und sie vermochte es nicht zu erschüttern (Lukas 6,36-38.47f.).

Unser Vater

So sollt ihr beten:
Unser Vater im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. [Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen] (Matthäus 6,9-13 GB 285).

Einladung

In jenen Tagen ergriff Jesus das Wort und sprach: …
Kommt zu mir, all ihr Geplagten und Beladenen: Ich will euch erquicken.
Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin sanft und demütig;
und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht. …
Wenn zwei von euch auf Erden übereinkommen, um etwas zu bitten, dann wird es ihnen von meinem Vater im Himmel zuteil werden. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen (Matthäus 11,25.28-30; 18,19f. ZB).

Erinnerung

Und es geschah, als Jesus diese Rede abgeschlossen hatte, dass er von Galiläa aufbrach …. Und als Jesus nach Jerusalem hinaufzog, nahm er die Zwölf beiseite und sagte unterwegs zu ihnen:
Seht, … der Menschensohn wird den Hohen Priestern und Schriftgelehrten ausgeliefert werden, und sie werden ihn zum Tode verurteilen und ihn den Heiden ausliefern, und die werden ihn … kreuzigen; und am dritten Tag wird er auferweckt werden . … Wer unter euch gross sein will, sei euer Diener …, so wie der Menschensohn nicht gekommen ist, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele (Matthäus 19,1; 20,17-19.26-28; Schriftgelehrte waren ausgebilldete Theologen mit juristischen Befugnissen).

Ansprache

Liebe Brüder und Schwestern … .
Zur Freiheit hat uns Christus befreit! Steht also fest und lasst euch nicht wieder in das Joch der Knechtschaft* einspannen (Galater 3,15; 5,1). Denn ihr seid alle Söhne und Töchter Gottes durch den Glauben in Christus Jesus. Ihr alle nämlich, die ihr auf Christus getauft wurdet, habt Christus angezogen. Da ist weder Jude noch Grieche, da ist weder Sklave noch Freier, da ist nicht Mann und Frau. Denn ihr seid alle eins in Christus Jesus. … . In Christus Jesus gilt … allein der Glaube, der sich durch die Liebe als wirksam erweist (Galater 3,26-28; 5,6).
Weil ihr aber Söhne und Töchter seid, hat Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen gesandt, den Geist, der da ruft: Abba, Vater! … Wenn ihr euch aber vom Geist leiten lasst, untersteht ihr nicht dem Gesetz (4,6; 5,18). Führt euer Leben im Geist, und ihr werdet dem Begehren des Fleisches nicht nachgeben! … Es ist ja offensichtlich, was die Werke des Fleisches sind: … Feindschaft, Streit, Eifersucht, Zorn, Eigennutz, Zwietracht … und dergleichen mehr … . Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Güte, Rechtschaffenheit, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung (5,16.19-23)!

Schlüsselfrage

Nur dies eine möchte ich von euch wissen: Habt ihr den Geist empfangen, weil ihr tut, was im Gesetz geschrieben steht, oder aus dem Glauben, der hört (3,2)?

Symbolhandlung

Aus Glauben an den barmherzigen Gott könnt ihr ein Vorhängeschloss in der schmiedeeisernen Taube, in der Gemeinschaft des Geistes, festmachen. Das symbolisiert, wie Gottvertrauen und Gemeinschaft mit Menschen im Geist der Barmherzigkeit tragen – und zugleich frei machen von diskriminierenden Traditionen und religiösen Drohungen. Den Schlüssel könnt ihr euch an euren Schlüsselbund hängen. Das symbolisiert, wie in Freiheit von religiösen Ausgrenzungen und Drohungen Barmherzigekeit gegenüber Mitmenschen gelebt werden kann: Indem ihr anderen zu Nächsten werdet und ihre Herzen aufschliesst; und wo sich Herzen öffnen lassen, da herrscht auch Offenheit für den Himmel auf Erden.

Sendung

Liebe Brüder und Schwestern: …
Tragt einer des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen (6,1f.):
Liebe deinen Nächsten wie dich selbst (5,14)! …
Wer … auf den Geist sät, wird vom Geist … ernten.
Im Tun des Guten wollen wir nicht müde werden,
denn zu gegebener Zeit werden wir ernten … .
Amen (6,8f.18).

*Erläuterung
Für Paulus ist der «Weg des Gesetzes» (Galater 2,19) eine Knechtschaft mit überkommenen Vorschriften und endlich, während die Verbindung mit Gott bzw. mit Jesus Christus über den Tod hinaus weitergeht. So endete gemäss Paulus der Weg des Gesetzes am Kreuz – für Jesus sowie für alle, die mit ihm als Christus verbunden sind: Jesus sei am Kreuz gestorben und darüber hinaus mit Gott verbunden geblieben, nämlich durch «Gott, den Vater, der ihn von den Toten auferweckt» (1,1) habe. Aus seinem Leben erzählt Paulus, er habe sich «mit ganz besonderem Eifer für die Überlieferungen» (1,14) seiner gesetzestreuen Vorfahren eingesetzt und sogar christliche Gemeinden verfolgt, bis es Gott gefallen habe, ihm «seinen Sohn zu offenbaren» (1,16) und ihn zum Apostel zu berufen. So kann Paulus behaupten: «Denn dadurch, dass ich den Weg des Gesetzes zu Ende gegangen bin, bin ich für das Gesetz tot. So kann ich fortan für Gott leben. Ich bin mitgekreuzigt mit Christus: Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir» (2,19f.). Gemäss Paulus bewirkte die Kreuzigung, dass es «offensichtlich» (3,11) ist, «dass ein Mensch nicht dadurch gerecht wird, dass er tut, was im Gesetz geschrieben steht, sondern durch den Glauben» (2,16). Mit Gerechtwerden meint Paulus, dass keine Schuldigkeit mehr das Leben in Gemeinschaft hindert, und mit Glauben die Verbundenheit zum gnädigen «Vater» bzw. «Herrn» (1,3), die sich durch «Friede … und Barmherzigkeit» (6,16) auszeichnet. Folgt man Paulus, dann hat nicht das eigene Tun entlang religiöser Vorschriften über den Tod hinaus Bestand, sondern die Beziehung zu Gott bzw. zu Jesus Christus; konsequenterweise kann der Glaube – das Vertrauen in Gott – befreien von der Angst, religiösen Vorschriften nicht zu genügen und sich dadurch die Ewigkeit zu verwirken. «Denn», so sagt Paulus, «aus Glauben warten wir auf die Erfüllung unserer Hoffnung: die Gerechtigkeit. … Wer … auf den Geist sät, wird vom Geist ewiges Leben ernten» (5,5; 6.8).